Josquin Desprez, lithographie de Gustav Adolf Gaupp (1870), Gallica/Bnf

Vorschau:

 

Mainz, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, 10./11. Juni 2021

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Josquin-Bilder im langen 20. Jahrhundert

Leitung: Prof. Dr. Klaus Pietschmann, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz in Verbindung mit Prof. Dr. Michael Custodis, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

 

Anlässlich des 500. Todestages von Josquin des Prez widmet sich das diesjährige Troja-Kolloquium für Renaissancemusik dem prominentesten Komponisten der Renaissance und insbesondere seiner Wahrnehmung im langen 20. Jahrhundert. Beinahe ebenso bemerkenswert wie die außerordentliche Wertschätzung, die Josquin bei seinen Zeitgenossen und im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts genoss, ist die rasche Kanonisierung, die der Komponist nach einer Phase des weitgehenden Vergessens seit dem 19. Jahrhundert erfuhr. Nachdem Rafael Georg Kiesewetter den Zeitraum 1480–1520 als "Epoche Josquin" ausgerufen und August Wilhelm Ambros ihn zur Zentralfigur der dritten Generation der niederländischen Schule erklärt hatte, befassten sich dann im 20./21. Jahrhundert zahlreiche Fachgrößen mit ihm und wurden seine Werke Gegenstand gleich zweier fundierter kritischer Gesamtausgaben. Paula Higgins beschrieb bereits 2004 diese erstaunliche fachgeschichtliche Entwicklung als eine Form der Mythifizierung und verglich sie provozierend mit dem Geniekult um Beethoven. Daran anknüpfend ist es nun das Anliegen dieses Kolloquiums, einzelne Stationen des Umgangs der Wissenschaft mit Josquin näher zu beleuchten. Dabei soll der Blick neben den innerfachlichen Diskursen auch auf Formen der populären Verbreitung, der ideologischen Vereinnahmung und schließlich der Vermarktung von Josquin, seiner Musik und der dabei konstruierten Geschichtsbilder von einem ‚großen Komponisten' gerichtet werden. Eine besondere Facette bieten in diesem Zusammenhang Zeitzeugeninterviews, die Studierende im Vorfeld führen konnten und im Rahmen des Kolloquiums präsentieren werden: Neben dem Doyen der Josquin-Forschung Willem Elders sind dabei mit Barbara Schwendowius und Harry Vogt zwei Akteure aus dem Rundfunk vertreten, die aus der Perspektive der Alten und der Neuen Musik im WDR über lange Jahre hinweg heutige Josquin-Bilder mitgeprägt haben.

 

Das Symposium wird digital durchgeführt. Um via Zoom teilzunehmen, wird eine Anmeldung per Mail an anmeldung-musikwissenschaft@uni-mainz.de bis zum 9. Juni 2021 erbeten.

 

Detailliertes Programm: siehe Kollquium 2021

 

Images of Josquin in the Long Twentieth Century

 

On the occasion of the 500th anniversary of Josquin des Prez's death, this year's Troja-Colloquium for Renaissance Music is dedicated to the most prominent composer of the Renaissance and, in particular, to his reception during the long twentieth century. Almost as remarkable as the extraordinary esteem Josquin enjoyed among his contemporaries and throughout the sixteenth century is the rapid canonization of the composer since being largely rediscovered during the nineteenth century. After Rafael Georg Kiesewetter proclaimed the period 1480–1520 as the "Josquin Epoch" and August Wilhelm Ambros declared him to be the central figure in the third generation of the Netherlandish school, numerous experts dealt with Josquin the person and his music in the twentieth and twenty-first centuries, including through two rigorous, collected-works editions. In 2004 Paula Higgins explained this astonishing change as a type of mythification and provocatively compared it to the “Geniekult” surrounding Beethoven. This colloquium aims to revisit the major chapters of this development. In addition to following the musicological discourse, the colloquium focuses on Josquin’s popular dissemination, ideological appropriation, and the marketing of the musician, his music, and the image of a 'great composer' constructed in the process. Furthermore, students from the University of Mainz have conducted interviews with important figures for different areas of Josquin’s reception that will be presented at the colloquium: the highly-respected Josquin-expert Willem Elders and two major figures from German radio, Barbara Schwendowius and Harry Vogt at Cologne Radio WDR, both of whom have for many years shaped modern images of Josquin from the perspective of early and avant-garde music.

 

 

neu erschienen: https://doi.org/10.25371/troja.v2016